Von der Bay of Island zum Cape Renga

Nach einer sehr stürmisch verregneten Nacht in der Sandy Bay und unzählig zurück gelegten Serpentinen erreichen wir extrem müde die Bay of Island, ein Küstenabschnitt mit vielen vorgelagerten Inseln.

Im dortigen Paihia geht es sehr touristisch zu. Hier reiht sich Hotel an Motel, dazwischen liegen einige gastronomische Angebote, die eindeutig auf die breite Masse ausgerichtet sind. Aufgrund des Wetters (leider verregnet) entscheiden wir uns für zwei Nächte auf einem Holiday Park mit Spielplatz und geräumiger Gemeinschaftsküche. Würden wir wieder in die Gegend zurückkehren, würden wir unsere Zelte definitiv woanders aufschlagen.

Der Norden Neuseelands ist vielleicht weniger frequentiert als der Rest des Landes, aber sicherlich nicht weniger beeindruckend. Da wir nur noch ein paar Tage haben, bevor es nach Auckland geht, überlegen wir hin und her, wie wir diese gestalten wollen: Bootstour durch die Bay of Island, Cape Reinga (nördlichster Punkt Neuseelands) oder einfach nur entspannen?

Wir entscheiden uns dafür, dass ich alleine die Tour zum Cape Reinga in Kauf nehme, um Jakob einen weiteren Tag im Camper zu ersparen. Also buche ich einen Tagestrip zum inklusive einer Fahrt entlang des 90 Mile Beach (Te Rerenga Wairua) und Sand Surfing am Te Paki Stream.

Früh morgens werde ich also von meinem Bus abgeholt. Zusammen mit 40 anderen Touris geht's an Kerikeri (DAS Anbaugebiet von Zitrusfrüchten) und Mangonui über den kurvenreichen SH1 in Richtung Norden.

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Nach einem kurzen Frühstücks-Stop fährt uns Busfahrer Matt zum an der Westküste gelegenen 90 Mile Beach, der entgegen seines Namens bloß 55 Meilen lang ist. Bekannt ist der Strand dafür, dass man ihn mit dem Fahrzeug befahren kann, vorausgesetzt man besitzt einen Allradantrieb. Diese einsame Küstenlinie ist tatsächlich ein registrierter Highway mit Geschwindigkeitsbegrenzung und kann zu Fuß in 3 Tagen abgelaufen werden.

Weiter geht's zu den riesigen Sanddünen. Jeder, der mag, kann sich hier ein Board schnappen und nach einem kurzen Briefing die massiven Dünen runter rasen. Ich bin natürlich dabei und habe riesigen Spaß! Was für ein Adrenalin-Kick. Die Dünen sind definitiv steiler als man auf den Fotos erahnen mag.

Je weiter uns Busfahrer Matt in Richtung Norden fährt, desto ausgestorbener wird die Gegend. Auf den letzten geschätzt einhundert Kilometern steht kaum mehr ein Haus und man trifft kaum mehr einen Menschen – abgesehen von vereinzelten Touristen, die sich mit Camper und Mietauto ihren Weg durch die verlassene Landschaft bahnen.

Wir erreichen den Parkplatz am Cape bei Regen. Von dort führt ein Weg direkt zum Leuchtturm. Das ist übrigens oft in Neuseeland so: Mit dem mobilen Untersatz fährt man zu einem Parkplatz und legt den letzten Weg (meisten 10 bis 20 Minuten) zu Fuß zurück.

Ich trotze dem Wetter und genieße die unglaubliche Aussicht und die Stille gepaart mit dem Rauschen der aufeinander treffenden Meeresströmungen des Pacific Ocean und der Tasman Sea, die einen regelrechten „Whirlpool“ verursachen. Hier verlassen nach der Maori-Mythologie die Seelen der Verstorbenen das Land. Vielleicht habe ich auch deshalb das Gefühl, dass die Luft hier besonders frisch und sauber riecht.

Vorbei an einem Maori-Dorf (hier reiten die Kids wohl noch Barfuß zur Schule) und der nördlichsten Tankstelle der Insel, tuckern wir zurück in Richtung Süden und werden bei unserem Fish&Chips-Stop in Houhura von Sonnenschein und unzähligen Möwen begrüßt. Ich stelle wieder fest: Fish und Chips sind einfach nicht meins ( vor allem nicht, wenn sie wie hier in Masse produziert und warm gehalten werden) und ich kann absolut nicht nach vollziehen, wie manch einer nach dieser "fettigen Tüte" noch ein Eis verdrücken kann.

Auf dem Rückweg machen wir Halt im Puketi Kauri Forest. Dieser 7500 ha große Wald beheimatet die größten Kauri-Bäume Neuseelands. Auf dem dortigen Naturpfad findet man einige der über 1000 Jahre alten Baumriesen. Laut Maori-Legende soll eine Umarmung der Bäume Glück und gutes Wetter bringen. Also versuche ich einen der Giganten - ganz im Sinne der Legende - in meine Arme zu nehmen und hoffe für die letzten Tage in Neuseeland auf schönes Wetter und auf Glück für unsere weitere Reise.

Tags: North Island, Sanddünen, Cape Reinga, New Zealand, Neuseeland

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